Kai Malte Lippke
RWB AG | Private Equity
Kai Malte Lippke

RWB AG - riskante Spielwiese "Private Equity"

Die RWB AG aus Oberhaching bei München "beglückt" seit 1999 Kleinanleger mit Beteiligungsmöglichkeiten auf dem Sektor "Private Equity". "Private Equity" ist Risikokapital. Es handelt sich um risikoreiche Geldanlageformen, die meiner Meinung nach für einen auf Sicherheit bedachten Normalanleger ungeeignet sind. Die Verträge haben teilweise sehr lange Laufzeiten, wodurch sich auch kleine Raten zu hohen Gesamtbeträgen summieren.
"Private Equity" - neuer Heilsbringer der Anlagewelt?

Durch "Private Equity" wollen in der Regel relativ kleine bzw. junge Firmen ihre Geschäftsideen preiswerter als mit einem Bankkredit verwirklichen. Ein weiterer Grund für die Aufnahme von privatem Risikokapital kann sein, dass ihnen hierfür keine Bank eine Finanzierung gibt.

Bei den Firmen handelt es sich außerdem oft um sogenannte "Blind Pool". "Blind-Pool" bedeutet, dass nicht festgelegt ist, welche konkreten Investitionen mit den Anlegergeldern vorgenommen werden. Wesentlich für den Erfolg der Anlage ist daher die Fähigkeit der Geschäftsführung der RWB AG bzw. eines Anlageausschusses. Es handelt sich nämlich vor allem um eine Investition in die Fähigkeit der Geschäftsführung, erfolgversprechende Geschäftsmodelle und Firmen herauszusuchen. Daher müssten in einer Anlageberatung eigentlich die Kompetenzen und Referenzen der für die Anlageentscheidungen bei der RWB AG verantwortlichen Personen ein Schwerpunkt bei der Beratung gewesen sein. Hat Ihr Vermittler mit Ihnen darüber gesprochen?
Verlustrisiko

Mit Private-Equity-Kapital können zwar hohe Renditen erzielt werden, andererseits sind aber auch hohe Verluste bis hin zu einem Totalverlust nicht ausgeschlossen. Es handelt sich eben um Risikokapital. Wurden Sie darüber vom Vermittler aufgeklärt?

Die RWB AG versucht allerdings das Risiko dadurch zu verringern, dass sie in Dachfonds investiert, die Anteile an anderen Private-Equity-Fonds halten. Die Risiken für die Anleger sollen durch ausreichend Streuung klein gehalten werden.
Hohe Kosten mindern die Gewinnaussichten

Ob die Rechnung aufgeht, hängt aber nicht nur von der erfolgreichen Entwicklung der Fonds und der von diesen getätigten Investitionen ab. Auch die Kostenstruktur, die Laufzeit und die Vertragsgestaltung beeinflussen maßgeblich den Erfolg für den Anleger.

Die hohen Kosten, vor allem für Vertriebsprovisionen, werden gleich zu Beginn abgezogen und stehen dann für Investitionen nicht mehr zur Verfügung, was sich gerade bei den Ratensparverträgen recht dramatisch auswirken kann. Vor allem bei den früheren RWB-Fonds lagen diese Kosten bei über 23 %, wobei noch laufende Verwaltungskosten und Kosten für das Management hinzu kamen.

Hat der Vermittler Ihnen im Gespräch erläutert, wie hoch Vertriebsprovision und Verwaltungskosten sind?
Auszahlungen müssen häufig zurückbezahlt werden

Problematisch sind auch die monatlichen "Ausschüttungen", die die Anleger häufig ab Beginn erhalten. Rechtlich handelt es sich dabei nämlich nicht um Zinsen oder Gewinne, sondern um die Rückzahlung der Einlagen, da die Gesellschaft keinen Gewinn macht. Solche Entnahmen müssen häufig in der Liquidation oder der Insolvenz zurückbezahlt werden. Ein aktueller Beispielsfall ist die ALAG.

Aussagen von Vermittlern, eine RWB-Beteiligung sei risikolos und eigne sich für den sicheren Aufbau der Altersvorsorge, sind daher falsch und begründen Schadensersatzansprüche.
Mein Anlegerrat:

Können Sie die Fragen, die ich im Text gestellt habe, ganz oder überwiegend mit "Nein" beantworten, spricht einiges für eine falsche Beratung, die Schadensersatzansprüche und ein Recht, die Beteiligung zu kündigen, begründen kann. Dann rate ich Ihnen dringend, sich anwaltlich beraten zu lassen.

Autor

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Kai Malte Lippke, Leipzig
http://www.lippke.net

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